(ge) Ein ganz besonderes Konzert bot am Samstag im gut besetzten
Kirchenraum des Klosters Paradies die seit zehn Jahren
bestehende Gruppe «Obio! Doppelbock». Der Musikstil des Gebotenen
kann zwischen Klassik undV olksmusik angesiedelt werden.
Alle Darbietungen auf den vielen zum Teil «ausgestorbenen
» Instrumenten waren grosse Klasse.
Das Konzert begann, indem mit drei verschieden grossen
Schlägern einem riesigen Gong mit einem Durchmesser von 150
Zentimetern wundersame sphärische Klänge entlockt wurden,
Dazu kamen alte Handörgeli, eine Schalmei, eine Drehleier zwei
helvetische Sackpfeifen, die wie schottische Dudelsäcke tönten,
eine Busuki, ein Kontrabass und andere Instrumente mehr zum
Einsatz.
Vier Männer und eine Frau
Die Gruppe beseht aus Dide Marfurt, Markus Maggiori, Simon
Dettwyler und aus Christine Lauterburg. Ein Mann trägt ein
Sennenchutteli als Kleidungsstück, die andern traten in unauffälliger
Alltagskleidung auf, während die Musikerin in langen
Stiefeln, mit kurzem schwarzem Rock und verschiedenen Gilets
über einem rötlichen Puli schon mit ihrer Kleidung auffiel. So
wurde sie von Ihren Kollegen «Paradiesvogel» (wohl in Anlehnung
an das Kloster Paradies) genannt.
Die vier Musiker sind grosse Könner auf ihren Instrumenten
und die Musikerin und Sängerin verfügt über eine virtuose Stimme
und über viel Schauspielerinnen-Talent. Man könnte sie auch
als Troubadourin oder als erste Minnesängerin bezeichnen, denn
in ihren in Berndeutsch gesungenen Texten aus dem Volksliedbereich
ging es um Liebe und Leid, um Glück und um Unglück.
So sang Lauterburg von einem 48 Strophen umfassenden Spottlied
über die 1515 in Marignano verlorenen Schlacht der Eidgenossen
drei Strophen. Darin war die Rede von einer grossen Schmach, die es nun zu überwinden gilt.
Vom unsterblichen Minnesänger Tannhäuser
Oder sie sang ein Lied des vermutlich 1261 verstorbenen Minnesängers
Tannhäuser, eine Melodie, die Richard Wagner zur
Oper «Tannhäuser» animierte. Dass Christine Lautenburg über
eine Schauspielausbildung verfügt und auch schon oft als solche
auf der Bühne steht, kann man in ihrem Lebenslauf im Internet
lesen. Dort steht auch, dass Lautenburg, die bis vor wenigen Jahren
gechützte Jodelszene aufzumachen verstand. Sie hat sich
rasch durchgesetzt, da sie nicht nur das ursprüngliche Jodeln bestens
beherrscht, sondern dortmit ihrer grossartigen Stimme auch
neue Klänge hineinbringen kann.
Was die Sängerin in der Klosterkirche bot, war viel mehr als
nun eine Kostprobe. So zollte ihr das grosse Publikum im Paradies
immer wieder begeisterten Applaus. Dieser galt natürlich
immer auch ihren vier Kollegen. Zwei von ihnen boten mit ihren
helvetischen Sackpfeifen mit einer Volksmelodie aus dem Jura
einen Auftritt als Duo. Begeistert war das Publikum neben dem
grossen musikalischen Genuss auch darüber, dass da ganz vergessene
Instrumente, über die kaum noch jemand etwas weiss, wieder zu neuem Leben erweckt wurden.
Das Konzert am Sonntag war das zweitletzte der Saison 08/09,
organisiert vom Verein der Freunde des Klosters Paradies. Am
29. März geht die Reihe mit dem Auftritt des «GarciaAbril Quartetts
», um 17 Uhr, zu Ende.