Konzert Wu Wei und Lucas Niggli in der Klosterkirche Paradies
Der Verein Freunde der Klosterkirche Paradies bei der Gemeinde Schlatt lud am Sonntagabend zu einem nicht alltäglichen Konzert in das ehrwürdige Gotteshaus. Auf dem Programm standen Improvisationen wie Kompositionen der inzwischen auch international bekannten Solisten Wu Wei (China) und Lucas Niggli (Schweiz). Vor allem Kenner stilübergreifender Musikformen wissen inzwischen, dass immer mehr chinesische Improvisatoren im Westen leben. Obwohl sie ursprünglich eine klassische Ausbildung absolviert haben, wollen sie hier eine neue, andere Musik jenseits traditioneller öst-licher und westlicher Konventionen machen.
Neben dem heute 37-jährigen Wu Wei - er lebt seit 1995 mit seiner Familie in Berlin und ist ein Virtuose der Mundorgel Sheng - nennt die Fachwelt speziell die Pipa-Spielerin Min Xiao Fen, die Pianistin Helen Sung oder die Ghuzeng-Musikerin Wu Fei, welche in den letzten Jahren mit ihren Improvisationen den amerikanischen Jazz verändert oder beeinflusst haben.
Ein ohren- wie augenfälliges Zeugnis dessen lieferten in einem 90-minütigen Konzert Multi-Instrumentalist Wu Wei und der Schlagwerker wie Perkussionist Lucas Niggli. Der 1968 in Kamerun (Westafrika) geborene Niggli lebt inzwischen mit Familie in Uster und ist gesuchter Drummer für ein halbes Dutzend Bands. Er ist mit Wu Wei bereits an internationalen Festivals aufgetreten. Die beiden lieferten sich im kirchlichen Ambiente ein musikalisches Duell auf hohem spieltechnischem Niveau. Bereits die ersten Kompositionen wie «Dragon Dance» oder «Blue Desert» brachten einen dynamischen Zusammenprall zweier Kulturen.
Augenfällig war die von Wu Wei überaus voluminös geblasene Sheng, die an ein Akkordeon erinnert. Mit 3000 Jahren ist die Sheng eines der ältesten chinesischen Musikinstrumente und besteht aus einem meist aus Metall gefertigten, rund 50 Zentimeter hohen Korpus mit Schnabel. Der charakteristische laute Ton wird durch das abwechselnde Abdecken des Grifflochs der 37 Bambuspfeifen erreicht.
Für den rhythmischen wie melodischen Kontrast sorgte Niggli an seinem mit zahlreichen Trommeln und Becken erweiterten Schlagzeug. Mit verschiedenen vital und gezielt eingesetzten Schlagstöcken erzeugte er unzählige Klangfarben und Dynamiken, welche die brillante Spielweise von Wu Wei nicht nur ergänzten, sondern auch einen optimalen Duoklang ergaben. Mit Solovorträgen von Wu Wei über «Passage» und von Niggli mit «Opera Nova» zelebrierten sie ihre Improvisationskunst bis an die äussersten technischen Grenzen, um mit den Gemeinschaftskompositionen «Calling» und «Great Wall» für ein überwältigendes Finale zu sorgen!
Gustav Sigg