Mit einem ausgesuchten Programm hat sich das Galatea-Quartett mit hohem Können in der Klosterkirche vorgestellt. Bestehend aus den Geigerinnen Yuka Tsuboi und Sarah Kilchenmann, dem Bratschisten David Schneebeli und dem Cellisten Julien Kilchenmann, bildet es ein Ensemble von vorzüglichem Partnergeist, starker Ausdruckskraft und Ausgewogenheit in Spieltechnik und Tonqualität. Es eröffnete die Werkfolge mit dem Quartett in B-Dur op. 50 Nr 1. von Joseph Haydn, das mit der Fülle an Einfällen des Komponisten den Aufbruch zu neuen Ufern unverkennbar kundtut. Schon im Eingangssatz wussten die Interpreten die Wechsel von Gefühlen, die sich aus mehr fragmentarischen Motiven einerseits und ausschwingender Melodik anderseits ergeben, eloquent zum Ausdruck zu bringen. Im weich fliessenden Adagio – nicht zu langsam verstanden – konnte der sanft federnde Sechsachtel zu schöner Geltung gelangen. Für das Menuett wählten die Spieler ein zügiges, fast scherzonahes Tempo, das auch die tänzerische Allüre – vor allem im locker interpretierten Trioteil – zu gewinnender Wirkung kommen liess. Im temperamentvollen Finale gab es für alle viel zu tun, was mit Impetus, Virtuosität und bestem Ensemblegeist realisiert wurde. Vor einem halben Jahr haben die Quartettisten das Stück «Ossessione» des Schweizer Komponisten Heinz Marti uraufgeführt, dessen Titel eine gewisse Rätselhaftigkeit mit sich bringt: Selbstverständlich tauchen unterwegs bestimmte Elemente wieder auf. Man spürte, mit welch herzhaftem Engagement sich die Interpreten für diese originelle Musik einsetzten, sodass es leicht fiel, sich in diese Tonsprache einzuhören, die aus dem Fast-Nichts eine grosse Steigerung schaffen, mittels Tremolos bedrohliche Momente suggerieren und mit rhythmischen Extras die Spannung jederzeit aufrechterhalten konnte. Mit einer inspirierten Interpretation von Mendelssohns e-Moll-Quartett op 44 Nr. 2 krönten sie ihr Konzert aufs Nobelste.
Rita Wolfensberger