Konzert Ensemble Pauwau in der Klosterkirche Paradies
Das Ensemble, das am letzten Sonntagabend in der voll besetzten Klosterkirche Paradies ein spannungsreiches Konzert gab, nennt sich Pauwau. Die Interpreten waren: Fred Singer, Klarinette, Bassetthorn und Gesang; Viktor Pantiouchenko, Akkordeon; Ivan Nestic, Kontrabass. Sie reden von sich als von Schlafwandlern und Wachträumern, die sich und ihr Publikum schwerelos durch ein Programm mit unterschiedlichen stilistischen Merkmalen bewegen. In ihrem Repertoire gibt es ukrainische und polnische Lieder sowie russische Tangos, slawische Volksmusik und Klezmermusik, die ihnen besonders am Herzen liegt und die sie an diesem Abend nuancenreich interpretierten.
Die Klezmermusik mit ihrem jiddischen und osteuropäischen Ursprung erlebt in jüngster Zeit eine wahre Renaissance. In Deutschland, zum Beispiel, gehört das Genre an manchen Schulen zur politischen Bildung mittels Musik. Dass diese spezielle Folklore im Westen auf so offene Ohren und Herzen stösst, ist ein Phänomen, das unter anderem auch zu Diskussionen über die Authentizität von Klezmermusik herausfordert. Es sind ja heute vor allem nichtjüdische Musiker, die sich dieser Tradition der osteuropäischen Juden annehmen. Und sie tun es alle mit Herzblut. Das Konzert von Pauwau hat grosse Begeisterung beim Publikum ausgelöst. Es begann mit einem klassischen Stück («Gebet») des schweizerisch-amerikanischen Komponisten jüdischer Abstammung Ernest Bloch und führte dann mit Liedern und Tänzen durch die Ukraine und durch slawische Gefilde. Alte Volksmusik kam hier zum Teil in neuer folkloristischer Manier zum Klingen; zum Teil handelte es sich um Musik, die ursprünglich zu authentischen Riten oder Bräuchen gehörte. Das beeindruckende Ensemble sagt von sich ausdrücklich, es ignoriere souverän Gattungs- und Stilgrenzen. Was natürlich legitim und spannend ist, denn so lebt Musik weiter und wandelt und entwickelt sich. Die Klangwelt von Pauwau ist stimmungsreich, wobei Trauer und Freude, das Melancholische und das Wilde in den Stücken oft als scharfe Gegensätze dicht nebeneinander erscheinen. Insbesondere das Ausdrucksspektrum der Klarinette kam an diesem Konzert voll zum Tragen, was nicht nur an ihrem weiten Tonumfang lag; es war der Klarinettist, der dem Instrument alles, was zwischen Wohlklang, Seufzen, Schmettern und Schreien tönt, zu entlocken verstand. Ebenso fesselnd und bewunderungswürdig hat er einige Lieder vorgetragen. Man könnte auch sagen, er habe sie erzählt, denn auch singend verstand er alle Register zu ziehen zwischen Mitteilung und Lamento, zwischen Lachen und Weinen. Ausdrucksvoll und virtuos musizierten auch der Akkordeonist und der Kontrabassist. Ohne Zugaben wollte das stark beeindruckte Publikum die Musiker dann nicht gehen lassen.
Monica Zahner