Festlicher Jahresausklang
Die schmucke Klosterkirche Paradies hat sich längst als Konzertraum für Kammerbesetzungen bewährt, und das wussten die Liebhaber ihrer Konzerte: Sie kamen in hellen Scharen zu diesem Jahreswechsel-Anlass, für den die «Lucerne Chamber Brass» nicht zum erstenmal eingeladen worden war.
Wie der Titel des Ensembles besagt, besteht dieses Quintett nur aus Blechbläsern. Nur? Was haben sie aus dem an sich homogenen Gesamtklang ihrer Instrumente doch alles heraus- geholt! Vom Solo über die Transparenz von Einzelgruppierungen bis zum (beinahe) orchestralen Prunkklang kannten sie viele Stufen. Und gute Spielpartner sind sie allemal: Basil Hubatka (der auch als gewiegter Arrangeur in Erscheinung trat) und Martin Bieri sind die Trompeter, sie verkörpern als höchste Stimmen oft die Protagonisten. Pirmin Rohrers Posaune ist das ideale Verbindungsglied zu den beiden tiefen Instrumenten Horn, von Philipp Schulze geblasen, und Tuba, für deren fundamentale Bassfunktionen Daniel Schädeli zur souveränen Verfügung stand.
Barockklänge und Mozart
Das zehnteilige Programm war geschickt in zwei Hälften gegliedert, die analog gestaltet waren: Je zwei Werken grosser Klassiker waren Dreiergruppen aus bestimmten Epochen zugeteilt: Im ersten Teil umgaben opulente Händelklänge drei spielfreudige Musiken aus dem italienischen Barock, im zweiten war es dann Mozart, dem das gänzlich anders gelagerte Musikgefühl der viel späteren Jazz-Inspirationen gegenübergestellt wurde. In beiden Teilen figurierte als «pièce de résistance» je ein Variationenwerk für Tasteninstrument (Händels Grobschmied-Variationen und Mozarts «Ah, vous dirai-je maman»), die sich für die – wenn auch geschickt bewerkstelligte – Brass-Besetzung nicht durchwegs eignen und in der oft halsbrecherischen Schnelligkeit des Passagenwerks nicht optimal zu realisieren waren. Umso mehr imponierte die Beherztheit, mit der die fünf Partner diese Stücke zur speziellen klangfarblichen Geltung brachten.
Atemberaubender Elan
Im übrigen nahmen die Künstler mit dem Elan, der Klangpracht ihrer Tutti und vor allem ihrer Soli (z. B. im Doppelkonzert für zwei Trompeten von Vivaldi) unausgesetzt und oft atemraubend gefangen. Sie kannten aber auch feinere, weichere, stimmungshafte Töne wie etwa im weihnachtlichen Pastorale von Corelli oder in Mozarts Adagio KV 411. Und genauso ausdruckssicher wie rhythmisch gewitzt wussten sie mit der beschliessenden Schlussgruppe umzugehen, in der eine amüsante «Jingle Bells»-Paraphrase von James Piermont ebenso viel Vergnügen bereitete wie die ulkige «Schlittenfahrt» von Leroy Anderson, in der auch lautmalerisch kleine «Rutschpartien», von der Posaune ideal zu bewerkstelligen, und ein paar lustige Peitschenknaller nicht fehlten. Mit zwei noch weihnachtlich besinnlichen Zugaben nahmen dann die Künstler von ihren beglückten Besuchern Abschied.
Rita Wolfensberger
30.12.2009