Konzert «La Volta» in der Klosterkirche Paradies
Mit Spielwitz und Virtuosität
paradies Sie haben keine Nachsicht nötig. Auch kein Wohlwollen. Und sie wissen auch, dass man ihnen nicht aus gütiger Pflicht zuhört: La Volta, das aus sieben Musikschülerinnen und -schülern zusammengesetzte Ensemble der Musikschule Rheinach, veranstaltet ja auch keine Vortragsübungen, sondern richtige Konzerte, die jedes Publikum begeistern. Dass dem so ist, geht vor allem auf das Konto des musikalisch (und sicher auch kameradschaftlich) verbindlichen Leiters Jürgen Hübscher, dessen Spielfreude und musikalische Vitalität zu hundert Prozent auf die jugendlichen Virtuosen überspringen.
Es gibt einiges abzuschauen
Mit Recht wird sein musikpädagogisches Vorzeigeensemble überall herumgereicht; mit Recht erhalten seine Spielerinnen und Spieler tosenden Applaus, und mit Recht hat er für seine Arbeit den Kulturpreis der Stadt Rheinach erhalten. Kinder und Jugendliche aus einer oft aufoktroyierten technischen Unzulänglichkeit (Das kannst du nicht; dafür bist du noch zu klein) zu einem erwachsenen Umgang mit Musik zu führen, ist ein besonderes Verdienst; der Mann kann das, bei ihm gibt es einiges abzuschauen.
Das durch Jürgen Hübscher kompetent kommentierte Konzert begann mit fröhlicher Volksmusik aus Südamerika. Das Ensemble hatte hier und später Gelegenheit, verschiedene Gitarren und Percussionsinstrumente herumzureichen. Die Flexibilität der jungen Musikerinnen und Musiker zeigte sich auch eindrücklich in barocken Stücken, die auf die südamerikanischen Impressionen folgten: Mit grosser Aufmerksamkeit und mit feinem Gespür für Metrum und Agogik fegte das Ensemble mühelos über sämtliche Verzierungen barocker Tonkunst und später über Ragtime und irische Volksmusik.
Gespür für Metrum und Agogik
Der souveräne und offenbar niemals hierarchische Umgang mit verschiedenen Aufgaben gipfelte in einem Besen-Schottisch, bei dem sich noch einmal sämtlicher Spielwitz, eine ungeheure Virtuosität (auch im Umgang mit den Mitteln) und die Vitalität des En-sembles offenbarten. Das kluge Konzept, die Musik von unten, vom Bass und vom Gerüst her begreiflich zu machen, hielt das Ensemble auch in schnellen Sätzen zusammen, und man hatte nur selten den Eindruck, die oft riskant gewählten Tempi bereiteten jemandem ernsthafte Bauchschmerzen. Ob etwas mehr Präsenz vom Bass her möglich gewesen wäre?
Allerdings war in der durchaus schwierigen Akustik der Klosterkirche nicht auszumachen, ob es am kompliziert wirkenden Handling der Bassgitarre oder an der Technik des jeweiligen Spielers lag, dass das Instrument nicht immer deutlich zeichnete. Anyway: Das Publikum entschwand heiteren Gemüts nach einer smarten Zugabe in die laue Februarluft.
Vreni Winzeler