Hinreissend und in allen Stilen versiert

Quelle: Schaffhauser Nachrichten - 30.12.2010 - Rita Wolfensberger
Erscheinungsdatum: Sonntag, 2. Januar 2011 - 14:08

Die Weihnachtstage mit viel christfestlicher Musik sind vorbei, das Neujahr mit wunsch- und vorsatzbefrachteter Fröhlichkeit steht bevor. Und da hat die Organisation «Kultur Paradies» zu einem Konzert eingeladen, das die beiden Themen symbolisch miteinander verbindet. Denn die Künstler, die dafür eingeladen wurden, sind ihrerseits Brückenschläger: das Blechbläserquintett mit dem Doppelnamen "Philharmonic Brass Zürich" und "Generell5". Ihren unterschiedlichen Titeln entsprechend verbanden sie in den beiden Konzertteilen zuerst Musik aus dem klassischen, dann aus dem Unterhaltungsbereich und markierten damit den fundamentalen Unterschied von deren Funktionen und deren Gemeinsamkeiten. Die frappanteste - und imponierendste - unter den Letzteren war absolutes Meisterniveau ihrer Kunst: Andi Carniello-Hedinger und Elias Heigold, Tompeten, Masazumi Talahashi, Horn, Joachim Tanner, Posaune, und Markus Hauenstein, Tuba, sind in beiden Tonwelten und sowohl als Solisten wie als Ensemblespieler (Carniello sogar als Arrangeur und Komponist) gleicherweise souverän zu Hause: Spieltechnisch - finger-, atem- und zungentechnisch - kennen sie keine Schwierigkeiten und können sich gänzlich der Musik und deren vielgestaltigen Charakteren hingeben.

Als «Philharmoniker» schufen sie eine festliche Stimmung sofort mit Vivaldis Allegro aus einem F-Dur-Konzert; bravourös dann die Ouvertüre zu «Wilhelm Tell» von Rossini. In Pachelbels «Kanon» (formal gesehen mit dem ostinat gleichbleibenden Bass eher eine Passacaglia) kamen so viele Instrumentalfarben zur Geltung, dass man sich fragen musste, ob da wirklich nur fünf Männer am Musizieren sind...?

Nach Montis «Csardás», dessen abenteuerliches Tuba-Solo von Hauenstein glänzend dargeboten wurde, folgte eine gekonnt geraffte «Carmen-Suite» (aus Bizets «Carmen»), die den strammen Eingang, die süsse Liebes-Habanéra und den stolzen Toreador- Gesang miteinander in steigender Intensität verband. Und mit dem «Säbeltanz»von Chatchaturian liessen die fünf die Tür einen Spalt weit aufgehn, der einen Blick in die Welt vergnüglicher Unterhaltungmusik gewährte.

Diese offenbarte nach der Pause, als die «Generell5» ans Werk gingen, deren Spielfantasie zusätzlich, indem sie allerlei Inszenierungen eingeplant hatten: In Gestik, Herumwandern, mit vermeintlichem Aufgebot zweier «Besucher», die als «Einspringer» je eine Tuba spielen sollten (von den Trompetern perfekt in die mächtigen Schalltrichter geblasen), gab es viel Vergnügliches. Dann Einbezug des mitklatschenden Publikums, als Höhepunkt ein farbenfroher «Tribute to Frank Sinatra». Und immer wieder melodisch wie technisch überragende Soli, von allen Bläsern meist auswendig dargebracht. Das Schlussbukett zündeten sie mit Carniellos hinreissendem «Brass Hip-Hop», und erst nach mehreren Zugaben konnten sie sich vom begeisterten Publikum verabschieden.

Rita Wolfensberger