Das Crystal Trio mit Vladimir Popras (Verrofon), Igor Sklyarov (Glasharfe) und Vladimir Perminov an der Glaspanflöte (v. l.) begeisterte das Publikum am Sonntagabend in der Klosterkirche Paradies.Bild Ernst Hunkeler
Das Crystal Trio mit Vladimir Popras (Verrofon), Igor Sklyarov (Glasharfe) und Vladimir Perminov an der Glaspanflöte (v. l.) begeisterte das Publikum am Sonntagabend in der Klosterkirche Paradies.Bild Ernst Hunkeler
VIel Publikum kam, um das Konzert des Crystal Trio in der Klosterkirche Paradies zu hören.
von Monica Zahner
Schlatt Das Crystal Trio aus der Nähe von Nowosibirsk erfreute die Konzertgäste nicht nur mit seinem glänzenden Spiel; es hat auch durch sein lockeres Auftreten und mit kleinen humoresken Einlagen erfreut. Denn das hört und sieht man nicht alle Tage: konzertant klingende Gläser, nämlich eine Glasharfe, die aus einer Anzahl Weingläsern, in Reihen angeordnet auf einem Brett, besteht; ein Verrofon, bestehend aus senkrecht angeordneten Glasröhren auf einem geschwungenen Holz- gestell (beide Instrumente werden mit feuchten Fingern zum Klingen gebracht). Dazu kommt die Glaspanflöte, ähnlich gebaut wie eine Panflöte aus Holz oder Bambus, aber mit Röhrchen aus Glas und im Bassregister gestimmt. In dieser selten gehörten Besetzung gab es Musik von Bach, Vivaldi, Mozart über Grieg und Brahms bis Dvor?àk, Saint Saëns und Tschaikowsky.
Weltentrückt und geisterhaft
Sphärisch, himmlisch weltentrückt – es gibt viele Ausdrücke, die diese Klangwelt zu beschreiben versuchen; eine Klangwelt, die das Publikum in der Paradies-Kirche ebenso begeistert zu haben scheint wie einst Gottfried Keller, der ganz hingerissen war. Er sagte, es seien die «geisterhaftesten Töne», die er je gehört habe. Und nicht nur Gottfried Keller war davon begeistert. Als die blinde Glasharmonika-Spielerin Marianne Kirchgessner (1769–1808) in Wien auftrat, liess sich Mozart nicht zweimal bitten und schrieb sie ein seelenvolles Adagio und Rondo in c-Moll (KV 617). Allerdings hat er es nicht aus reiner Begeisterung geschrieben, es war vielmehr eine Auftragsarbeit für das «empfindsame Medium». Die Uraufführung des Werks am 19. August 1791 war jedenfalls der erfolgreiche Auftakt der Kirchgessner zu ihrer Europatournee. Der Umstand, dass die Glasmusikkünstlerin im Friedhof des ehemaligen Klosters Paradies ihr Grab hat, gab dem magischen Konzert in der Klosterkirche noch eine leicht mystische Aura. Es heisst, Kirchgessner sei auf einer Tournee in Schaffhausen verunglückt und gestorben; und weil die Schaffhauser keinen katholischen Friedhof hatten, sei sie eben im Pardies-Friedhof beigesetzt worden. Das Crystal Trio mit Igor Sklyarov, Glasharfe, Vladimir Perminov, Glaspanflöte, und Vladimir Popras, Verrofon, hat sein Programm mit zauberhafter Leichtigkeit gespielt. Erstaunlich, wie diese Instrumente auch komplexe Klänge zu realisieren vermögen und zum Beispiel ein Stück wie Vivaldis «Winter» aus den «Vier Jahreszeiten» eindrücklich darzustellen imstande sind. Das überzeugende Crystal Trio scheint keine Grenzen zu kennen; es hat auch Tschaikowskys Ballettmusik aus «Nussknacker» glänzend wiedergegeben, hat einen ungarischen Tanz von Brahms sehr schön zum Klingen gebracht und Anitras Tanz aus der Peer-Gynt-Suite von Edvard Grieg mit Anmut und Grazie interpretiert. Besondere Begeisterung zeigte das Publikum für Mozarts «Türkischen Marsch», der auch hier mit der gewünschten Dramatik gespielt wurde. Dass die drei Musiker auch kleine mimische Spässe servierten, hat ihnen ebenso regen Applaus eingebracht wie ihr virtuoses Spiel. Nach dem Konzert waren sie noch grosszügig bereit, den interessierten Gästen ihre Instrumente aus der Nähe zu zeigen und deren Funktion zu erklären.