Konzert Musik von Haydn in der Klosterkirche Paradies.
Es war ein tiefes Erlebnis am vergangenen Sonntagabend, Joseph Haydns Opus 51, «Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze», ausgeführt von: Helena Winkelman, Friedemann Treiber, Stella Wilkinson und Mattia Zappa. Sprecher der sieben letzten Worte Jesu war Andreas Heieck, der in seiner kurzen theologischen Einführung auf den 22. Psalm verwies, der mit den Worten Jesu am Kreuz beginnt: «Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen», dann aber in Verse der Hoffnung und des Vertrauens in Gott mündet. Ein Domherr und Marquis aus Cádiz bestellte 1784 bei Haydn eine Musik für die Karfreitagsandacht. In dieser Feier sollten die sieben letzten Worte Jesu am Kreuz, wie sie in der lateinischen Fassung der Bibel zu lesen sind, vom Domherr rezitiert und dann von der Musik illustriert werden. Haydn hat nun aber keineswegs nur illustriert. Er schrieb sieben sinfonische Sätze, die er als Sonaten bezeichnete, dazu eine Introduction und als Abschluss das Presto «Il Terremoto». Die erste Fassung setzte Haydn für Orchester, später verfasste er die Version für Streichquartett, die hier zur Aufführung gelangte. «Die Aufgabe», sagte Haydn, «sieben Adagios, wovon jedes gegen zehn Minuten dauern sollte, aufeinander folgen zu lassen, ohne den Zuhörer zu ermüden, war keine von den leichtesten. Jedwede Sonate oder jedweder Text ist bloss durch die Instrumentale Music dergestalten ausgedruckt, dass es den Unerfahrensten den tiefsten Eindruck in Seiner Seel Erwecket.» Nun hat diese Musik sicher nicht nur die «Unerfahrensten» bewegt. Helena Winkelman hat dem Konzertpublikum eine aufschlussreiche Einführung zu Haydns Musik notiert, in der sie auf die Art der Textausdeutung des Komponisten eingeht und sagt, dass es in diesen Quartettsätzen «nicht nur um eine direkte Darstellung des mit jedem dieser Sätze verknüpften Affektes oder Bildes» gehe. In der Tat, diese Musik ist vielmehr ein deklamatorisches Kunstwerk und ein wunderbares Beispiel für die Sprachähnlichkeit der Musik. Es sind Motive der Angst, der Hoffnung und des Vertrauens, die sich durch das Werk ziehen und das Kreuzesgeschehen mit tiefer Innigkeit darstellen, Motive, die sich dem Hörer unmittelbar einprägen. Wer hätte sich der einfachen Kadenz im Unisono von «Es ist vollbracht» verschliessen können, diesem überwältigenden Ausdruck der Ergebenheit? Für die Ausführenden liegt darin natürlich eine interpretatorische Logik. Wie die Streicherinnen und Streicher all die Feinheiten - die ganze Palette der Ausdruckskraft - musikalisch umgesetzt haben, bleibt unvergesslich. Dieses Quartett, ein Ad-hoc-Ensemble hat sein Publikum mit einer wahren Sternstunde beschenkt. Für den nicht enden wollenden Applaus bedankte sich das Quartett mit dem zündenden Finale aus Mozarts «Kleiner Nachtmusik».
Monica Zahne